09/06/2026, 18:00, HHU, 23.21.02.22
Gastvortrag Valentin Kretz (Lorraine)
Moderation: Prof. Dr. Vera Elisabeth Gerling (HHU)
Im Vortrag untersuche ich französische Übersetzungen von Walter Benjamins „Die Aufgabe des Übersetzers“ im Rahmen meines Dissertationsprojekts zur Epistemologie der Übersetzung germanophoner Texte in den Geistes- und Sozialwissenschaften.
Im Zentrum steht der Begriff der „concordance“ (Stimmigkeit) bei Henri Meschonnic. Anhand verschiedener Übersetzungen soll gezeigt werden, dass mangelnde Stimmigkeit bei der Übersetzung wichtiger theoretischer Texte zu einem Verlust von Zusammenhang und Orientierung führen kann: einerseits für die Leserinnen und Leser des Textes, andererseits für den Text selbst – sowohl auf der Ebene seiner inneren Organisation als „écriture“ (oder: Textur) als auch im Verhältnis zwischen seiner Form, also der Weise, wie er sich darbietet und gelesen werden will, und seinem Inhalt.
Valentin Kretz stammt aus Frankreich. Er ist Gymnasiallehrer für Philosophie und derzeit Doktorand an der Université de Lorraine. Mit Unterstützung eines DAAD-Stipendiums kann er von Februar bis Oktober 2026 als Gastdoktorand an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf forschen. Betreuende Gastgeberin ist Prof. Dr. Vera Elisabeth Gerling. In seinem Forschungsprojekt befasst er sich mit der Frage, wie Erkenntnisprozesse über die Rezeption philosophischer Texte gesteuert werden. Er untersucht dabei, was es bedeutet, einen Text zu „kennen“, der in Übersetzung gelesen wird. Welches Vertrauen kann einem Text entgegengebracht werden, der sich durch die Übertragung in eine andere Sprache verändert, sowohl im Ausdruck als auch durch die Rekontextualisierung? Diesen Fragen geht er mit Blick auf die französischen Übersetzungen philosophischer Texte von Autoren wie W. Benjamin, T.W. Adorno und I. Kant nach.