Workshop und öffentliche Lesung: Das Klagelied des Wasserspeichers

Vom 27. bis zum 29. Juni waren die indische Autorin Shyamala Gogu und die Frauenrechtlerin und Gender-Forscherin Dr. Lalita Kanuparti vom Anveshi Research Centre for Women‘s Studies (Hyderabad, Indien) zu Gast am Institut für Anglophone Literatures und Literaturübersetzen. In ihren Kurzgeschichten setzt sich Shyamala Gogu kritisch mit dem Kastensystem Indiens auseinander und spricht sich vor allem gegen die Diskriminierung von Frauen und Unberührbaren aus. Im Rahmen des Projektes „Human Writes“ werden ihre Geschichten nun von Studierenden des Masterstudiengangs Literaturübersetzen für die Reihe edition PEN ins Deutsche übertragen.

Während eines zweitägigen Workshops mit den indischen Gästen am 27. und 28. Juni hatten die studentischen ÜbersetzerInnen Gelegenheit, Näheres über die kulturellen Hintergründe der Geschichten zu erfahren und letzte Verständnisschwierigkeiten zu beseitigen. Shyamala Gogu und Dr. Lalita Kanuparti beantworteten die Fragen der Studierenden mit viel Herzblut und Liebe zum Detail und ermöglichten den Studierenden somit einen tieferen Einblick in den immer noch ernüchternden Alltag der Unberührbaren, die sich selbst Dalit nennen.
Der Vortrag von Dr. Lalita Kanuparti zum Thema „Engendering the Nation: Women Writing in Post Independent India“ am Montag, den 27. Juni, bot den ProjektteilnehmerInnen sowie weiteren Interessierten einen umfassenden Überblick über indische Frauenliteratur seit der Unabhängigkeit. Für das eher anglistisch geprägte Publikum war es vor allem interessant, einen Eindruck von der nicht anglophonen indischen Literatur zu erhalten.

Die Ergebnisse des Workshops präsentierten die ProjektteilnehmerInnen am Mittwoch, den 29. Juni, im Rahmen einer dreisprachigen öffentlichen Lesung im Haus der Universität. Um dem Publikum bestimmte Übersetzungsaspekte zu verdeutlichen, trug Shyamala Gogu zunächst ausgewählte Textstellen aus ihren Kurzgeschichten in ihrer Muttersprache Telugu vor, bevor Dr. Lalita Kanuparti aus der englischen Fassung las und schließlich die studentischen Übersetzerinnen Jennifer Thomas und Fabienne Weuffen ihre deutschen Übersetzungen präsentierten. Noch einmal verdeutlichten die indischen Gäste die Wichtigkeit der Dalit-Literaturbewegung und machten darauf aufmerksam, dass die Erzählungen die Dalit keineswegs in eine Opferrolle drängen sollen, sondern deren Gemeinschaftssinn und Kampf gegen Diskriminierung hervorheben wollen.

Die insgesamt zwölf Kurzgeschichten von Shyamala Gogu werden auf Deutsch noch im Winter 2016 unter dem Titel Das Klagelied des Wasserspeichers, herausgegeben von der Projektleiterin Stephanie Kreiner, beim Löcker Verlag erscheinen. Nach Aus dem Zwielicht – Vierzehn Einblicke in das Leben von Unbe-rührbaren handelt es sich bereits um die zweite Anthologie von Dalit-Kurzgeschichten, die im Rahmen des Projektes „Human Writes“ aus einer Kooperation des Masterstudiengangs Literaturübersetzen mit dem PEN-Club Österreich entsteht. Das Projekt wird gefördert aus dezentralen Qualitätsverbesserungsmitteln der Philosophischen Fakultät für fachübergreifende Projekte.



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